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10 Dinge, die wir von autonomen Fahrzeugen lernen können

Joanne Lennon Senior Manager, Product Marketing Veröffentlicht 11. August 2020

Noch vor wenigen Jahren waren die meisten von uns fest überzeugt, dass es fahrerlose Fahrzeuge nur in Science-Fiction-Filmen gibt – und dass das auch so bleiben würde. Inzwischen haben diese über zwei Millionen autonome Kilometer auf dem Kilometerzähler und Analysten gehen davon aus, dass bis 2021 10 % aller neuen Fahrzeuge Assistenten für das autonome oder teilautomatisierte Fahren haben werden. Autonome Fahrzeuge sind der Realität näher, als wir denken.

Gleichzeitig wird auch das autonome Unternehmen zur Realität. Was können ihre Manager aus der Entwicklung autonomer Fahrzeuge lernen? Hier sind 10 Dinge, die Sie wissen sollten:

Lektion Nr. 1: Am Anfang exisitiert ein Problem

Bei autonomen Fahrzeugen ist das die Sicherheit. Menschen ermüden am Steuer oder lassen sich ablenken. Das zeigt auch die Statistik: über 90 % aller Verkehrsunfälle mit Todesfolge werden durch menschliches Versagen verursacht. Ohne menschliche Fahrer könnte der Straßenverkehr also insgesamt sicherer werden.

Auch ein autonomes Unternehmen, dass sich selbst steuert und optimiert, könnte zur Lösung mehrerer Probleme beitragen:

  • Überlastete Mitarbeiter: Die Anzahl der mit dem Netzwerk verbundenen Benutzer, Geräte und Anwendungen steigt immer rasanter. Das hat zur Folge, dass IT-Umgebungen komplexer und risikoanfälliger werden.
  • Ineffiziente Prozesse: In vielen Unternehmen hat niemand den Überblick über den Netzwerkverkehr und die Anwendungen, der zur Optimierung der Geschäftsprozesse und zur Steigerung der Effizienz erforderlich wäre.
  • Ineffiziente Prozesse: In vielen Unternehmen hat niemand den Überblick über den Netzwerkverkehr und die Anwendungen, der zur Optimierung der Geschäftsprozesse und zur Steigerung der Effizienz erforderlich wäre.

 Lektion Nr. 2: Die Umstellung ist ein langer Prozess 

Die Entwicklung vollständig autonomer Fahrzeuge wird Zeit in Anspruch nehmen. Sie besteht aus fünf Stufen oder Leveln der Automatisierung, von Level 1, bei dem einzelne Assistenzsysteme den Fahrer bei bestimmten Aufgaben unterstützen, bis hin zu Level 5, bei dem das Fahrzeug vollständig autonom fährt und nur noch Passagiere ohne Fahraufgabe befördert.  

Eine ähnliche Entwicklung ist beim autonomen Unternehmen zu erwarten. Dabei ist das Netzwerk der Schlüssel, denn es verbindet die Menschen und die Technologie. Die Netzwerkautomatisierung wird einen ähnlichen Fünf-Stufen-Prozess durchlaufen wie die Automatisierung von Fahrzeugen. Das Schöne an diesem Prozess ist, dass Unternehmen ihn im Tempo ihrer Wahl durchlaufen und dort beginnen oder aufhören können, wo es für sie am günstigsten ist.

 Lektion Nr. 3: Viele unterstützende Technologien sind erforderlich

Ein autonomes Fahrzeug wird nicht durch eine einzige Technologie oder Komponente, sondern erst durch eine Kombination verschiedener Technologien möglich. Beispiele hierfür sind der Tempomat und virtuelle Assistenten wie der Abstandsregeltempomat (Adaptive Cruise Control) und der automatische Spurhalteassistent.

Auch das autonome Unternehmen wird erst durch viele unterstützende Komponenten möglich: Technologien, Produkte und Softwareanwendungen. Einige wichtige Beispiele sind eine softwaregesteuerte Infrastruktur, Analysen, Automatisierung, maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz.

Lektion Nr. 4: Die ganze Umgebung muss stimmen

Die führenden autonomen Fahrzeuge haben das Level 3 erreicht: Assistenzsysteme erledigen bestimmte Fahraufgaben ohne menschliches Zutun. Für ein vollständig autonomes Fahren, Level 5 der Automatisierung, muss das Fahrzeug mit seiner ganzen Umgebung kommunizieren können: mit seinem eigenen „Ökosystem“, aber auch mit anderen autonomen Fahrzeugen und mit smarter Infrastruktur.

Auch die Umstellung zu autonomen Unternehmen wird über die Wände und Netzwerke von Unternehmen, wie wir sie heute kennen, hinausreichen. Dazu ist ein auf offenen Standards basierendes Ökosystem erforderlich, in dem die Informations- und Betriebstechnologien miteinander verschmelzen und Daten ungehindert fließen können, auch über die Netzwerkgrenze hinaus.  

Lektion Nr. 5: In kontrollierten Umgebungen ist Autonomie am einfachsten erreichbar

Experten gehen davon aus, dass autonome Fahrzeuge zuerst in kontrollierten Umgebungen wie Altersheimen und privaten Siedlungen Einzug halten werden, weil diese sich leicht und umfassend kartografieren lassen. Das autonome Fahren in anderen Stadtgebieten ist komplizierter und wird daher vermutlich erst später möglich werden.

Dasselbe gilt für die verschiedenen Bereiche autonomer Unternehmen. Maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz funktionieren am besten in Umgebungen, die in einer relativ eng gefassten Wissensdatenbank abgebildet werden können. Diese Technologien sind für ein autonomes Arbeiten unverzichtbar. Die Entscheidungsträger in Unternehmen sollten sie daher zuerst für genau definierte Anwendungsfälle einsetzen, die eine gute Rendite versprechen. Beispiele hierfür sind die Erkennung von Anomalien und die Optimierung von WLAN-Frequenzen.

Lektion Nr. 6: Nicht Jeder befürwortet die Autonomie

Wir Menschen sind in unseren Gewohnheiten gefangen. Viele von uns fühlen uns am wohlsten, wenn wir glauben, alles unter Kontrolle zu haben. Drei Viertel der US-Amerikaner haben Angst davor, von einem Fahrzeug ohne Fahrer befördert zu werden. Diese Angst vor autonomer Technologie ist nichts Neues: In den 1950er Jahren wollten viele Amerikaner nicht in einen Aufzug ohne Fahrstuhlführer einsteigen. Inzwischen denkt kaum noch jemand darüber nach.

Die Zukunft wird zeigen, wie bald und in welchem Ausmaß Unternehmen bereit sein werden, autonome Arbeitsumgebungen zu akzeptieren. Es gibt jedoch Grund, optimistisch zu sein: Bei der IDC-Umfrage „The Future of Work“ gingen 47 % der Befragten davon aus, dass KI positive Auswirkungen auf die Arbeitsplätze in ihrem Unternehmen haben würde. Die Unterstützung der Menschen spielt bei der Netzwerkautomatisierung eine Schlüsselrolle.

Lektion Nr. 7: Die Sicherheit darf nicht vernachlässigt werden

Was geschieht, wenn ein autonomes Fahrzeug gehackt wird? Und wenn dann nicht der Fahrer, sondern ein Anderer die Kontrolle über das Fahrzeug hat? Ein Bericht über Hackerangriffe auf autonome Fahrzeuge in New York City zeigt, wie begründet diese Sorge ist. Zudem müssen fahrerlose Autos eine Menge Sensordaten erfassen und verarbeiten, um ihre Umgebung korrekt zu interpretieren. Welche Daten erfasst und mit wem sie geteilt werden, kann zu Bedenken in puncto Datenschutz führen.

Auch ein autonomes Netzwerk benötigt große Mengen an Sensordaten für den effizienten Betrieb, unter anderem darüber, wo, wann und für wie lange Benutzer und Geräte mit dem Netzwerk verbunden sind. Autonome Netzwerke nutzen diese Daten, um zu lernen und um sich selbst zu steuern und zu optimieren. Mit wem werden die Daten geteilt? Was geschieht, wenn die Wissensdatenbank eines autonomen Unternehmens gehackt und ihre Integrität zerstört wird? Genau deshalb sollten Unternehmen den Datenschutz und die Netzwerksicherheit nie aus den Augen verlieren.

Lektion Nr. 8: Ethische Aspekte müssen diskutiert werden  

Die Entwicklung autonomer Fahrzeuge hat dazu geführt, dass ethische und philosophische Fragen wie der Weichenstellerfall diskutiert werden. Sollten autonome Fahrzeuge so programmiert werden, dass sie den Fahrer um jeden Preis schützen oder so, dass der Schaden für die Gesellschaft als Ganzes minimiert wird? Sollten sie gegen die Verkehrsregeln verstoßen und auf den Bürgersteig fahren, wenn sich dadurch ein Zusammenstoß mit einem Kind auf der Straße vermeiden lässt? Diese und ähnliche Fragen müssen bei der Entwicklung und vor dem Einsatz neuer Technologien diskutiert werden.

Auch der Einsatz künstlicher Intelligenz in Unternehmen wirft derartige Fragen auf. KI-Lösungen müssen ethische Regeln befolgen. Die Benachteiligung von Frauen durch Amazons ML-Algorithmus für die Bewerberauswahl ist nur ein Beispiel für die Probleme, die entstehen können, wenn ML/KI-Lösungen mit Daten trainiert werden, die durch Vorurteile verzerrt sind.

Lektion Nr. 9: Die Benutzererfahrung spielt eine wichtige Rolle

Je weiter die Entwicklung autonomer Fahrzeuge fortschreitet, desto intensiver sollten die Hersteller über die Erfahrung nachdenken, die sie ihren Kunden bieten wollen. Wie soll eine Fahrt in einem autonomen Fahrzeug aussehen? Werden die Passagiere noch mehr Zeit damit verbringen, auf Bildschirme zu starren? Bei der CES 2019 stellten Autohersteller Fahrzeuge mit Kopfstützen, die Parfüm versprühen, Augmented-Reality-Bildschirmen und diversen anderen Unterhaltungsangeboten vor.

Auch bei den Diskussionen über autonome Unternehmen geht es derzeit hauptsächlich um die Technologie. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, dass der Mensch im Mittelpunkt stehen sollte und dass es vorrangig um bessere Benutzererfahrungen und bessere Ergebnisse gehen sollte. Das gilt unabhängig davon, ob mit der innovativen Technologie medizinische Diagnosen beschleunigt, bessere Lernumgebungen in Schulen eingerichtet oder Einkaufserlebnisse personalisiert werden sollen. Denn letztendlich ist das Ziel überall dasselbe: den eigenen Kunden einen besseren Service anzubieten als unsere Mitbewerber.

Lektion Nr. 10: Die Technologie wartet auf Niemanden – und auf kein Unternehmen

„Die Zeit steht nicht still“ sagt der Volksmund. Dasselbe gilt für die Technologie im digitalen Zeitalter. Sie entwickelt sich rasant weiter, ob uns das gefällt oder nicht. Autonome Fahrzeuge werden schon bald auf unseren Straßen unterwegs sein, egal, ob wir darauf vorbereitet sind oder nicht.

Autonome Unternehmen und Technologien wie künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen werden revolutionäre Auswirkungen auf die Geschäftswelt haben – Auswirkungen, die wir heute noch nicht einmal erahnen können. Unternehmen, die sich diesem Wandel öffnen und die Chance auf eine innovative Neuausrichtung wahrnehmen, werden sich gut im digitalen Zeitalter zurechtfinden. Denn wie beim autonomen Fahrzeug gilt auch hier: anschnallen und für alles bereit sein, was vor uns liegt.

 

 

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